Facebook Twitter RSS

Meine Kinder- und Jugendzeit (1928 bis 1946) – Anne-Ilse Burghardt

Ausgestellt am 24. Juli 2012 vom in Autobiografie
361
Thanks!
An error occurred!

Handlung

Anne-Ilse Burghardt wächst auf einem Bauernhof auf, weiß aber schon ganz früh, dass sie nie Bäuerin werden will, auch wenn ihr Vater das wünschte. In der Schule strengt sie sich an und lernt eifrig, denn sie möchte Hauswirtschafterin werden. Als Hitler an die Macht kommt und der Begriff „Krieg“ ins Leben der Dorfbewohner tritt, erklärt ihr Vater seinen Kindern: „‚Dat is ganz wat Schlimmes, Kinner, dor scheet de Minschen sik gegensietig doot.‘ Diese Entwicklung zum Krieg hatte unser Vater bereits mit Hitlers Machtübernahme vorausgesehen, aber nicht so schnell damit gerechnet. Unsere Nachbarn traten alle der NSDAP – das war Hitlers Partei – aus den unterschiedlichsten Gründen bei.“

Die Kinder verstehen nicht, wieso ihr Vater darauf beharrt, keinen Volksempfänger im Haus zu haben, wieso sie und ihre Schwester nicht zu den Jungmädels dürfen, wieso sie von den anderen geschnitten werden und niemand mehr mit ihnen spielt. „Ein Eintritt in die NSDAP war für Papa undenkbar. Die Nachbarn jedoch glaubten an Hitlers Versprechungen und traten der NSDAP bei.
Nach dem verlorenen Krieg 1914–1918 war die Arbeitslosigkeit im Lande groß und die Menschen waren hoffnungslos. Der ‚Rattenfänger‘ Hitler brachte die Menschen wieder in Arbeit und Brot. Die Ferieneinrichtung ‚Kraft durch Freude‘ erlaubte auch dem einfachen Arbeiter, Urlaub zu machen. So war es nicht verwunderlich, dass die Nationalsozialisten großen Zulauf hatten. Eine Euphorie breitete sich im ‚Dritten Reich‘ aus, nur in unserem Elternhaus war wenig davon zu spüren. Mit unserem Verstand konnten wir Geschwister das alles nicht so ganz begreifen, fühlten aber sehr wohl die Sorgen unseres Vaters. Wenn er sich unbeobachtet glaubte, auf der Diele unruhig hin und her lief, hörten wir ihn immer wieder vor sich hinmurmeln: ‚Dat geiht nich good, dat geiht nich good.‘“ Die Kinder bekamen es mit der Angst zu tun. In in seinen Gesprächen mit ihrer Mutter vernahmen sie diese Äußerung sehr oft und bemerkten, dass auch sie ebensolche Angst hatte. In der Schule wurde nun immer in der ersten Stunde Radio gehört und über den Krieg gesprochen.

„Wer hat zu Hause einen Volksempfänger?“, fragte der Lehrer. „Fast alle Schulkameraden erhoben sich, nur Dedi und ich saßen wie versteinert da und alle gafften uns an. Am liebsten wären wir unter die Bank gerutscht. In diesem Moment hatten wir doch Wut auf unseren Papa und auf den Lehrer, denn der wusste genau, dass Papa nicht in der Partei war. Wieder hatten wir unsere Probleme auf dem Nachhauseweg, wie könnten wir nun Papa überzeugen, wie wichtig für uns der Volksempfänger sein würde. Mittags bettelten wir unseren Vater ein weiteres Mal um ein Radio an und abermals kam die Antwort: ‚So een Grööler well ik nich in’t Huus heem. Dat Ding düüdelt blots de ganze Dach door rümm, und dat ward mi to düür.‘ Für Papa war die Sache damit erledigt, noch einmal zu fragen hatte keinen Zweck. Papa blieb bei seinem ‚Nein‘.“

Mit Unterstützung ihrer Mutter macht Anne-Ilse heimlich ihre Ausbildung und kommt schließlich auf ein großes Gut in Tilleda. Doch der Krieg macht auch nicht vor dicken sicheren Mauern Halt und sie muss fliehen, um noch zurück in ihr Elternhaus zu kommen.

Fazit

Anne-Ilse Burghardt wollte sich einen lang gehegten Traum erfüllen und für Ihre Kinder und Enkelkinder ein Buch schreiben, in dem sie über Ihre Kinder- und Jugendzeit vor und während der Zeit des Zweiten Weltkrieges berichtet.

Ihr Buch ist jedoch weitaus mehr als ein Buch, das nur für ihre Familie bestimmt ist. Anne-Ilse Burghardt liefert einen lebendig erzählten Zeitzeugenbericht. Sie erzählt von ihrer Kindheit in Hademarschen: „Hademarschen war damals ein kleines verträumtes und übersichtliches Dorf. Man kannte sich. Gemeindeverwaltung, Schule, Geschäfte und auch die Spielgefährten waren in der Nachbarschaft des Hofes.“

Ein spannender Zeitzeugenbericht und unbedingt lesenswert – nicht nur für Einheimische.

Hier gehts portofrei zum Buch – Meine Kinder- und Jugendzeit (1928 bis 1946)

Meine Kinder- und Jugendzeit (1928 bis 1946)
von Anne-Ilse Burghardt – epubli GmbH (2012)
ISBN: 978-3844223217
Taschenbuch, 288 Seiten

Vielen Dank an Stephanie Bergold für diese Rezension!

Buchempfehlungen:

  • Kein Buch dieses Genres vorhanden
 
 Share on Facebook Share on Twitter Share on Reddit Share on LinkedIn
Kommentare deaktiviert für Meine Kinder- und Jugendzeit (1928 bis 1946) – Anne-Ilse Burghardt  comments 
© buch-rezension.eu (2011)